Viele, die schon einmal einen Chinesischkurs belegt haben, haben vermutlich diese oder so ähnliche Erfahrungen gemacht:
- Frontaldidaktik
- Langweilige, meiner Meinung nach pädagogisch nicht wertvolle Bücher
Als ich in China Chinesisch gelernt habe, habe ich mir anfangs einen täglichen 4-Stunden Einzelunterricht (genannt 1-1 private tutoring) geleistet. Das war in Chengdu durchaus finanzierbar und war natürlich durch nichts zu schlagen, da die Lehrerin extrem gut auf meine Lernbedürfnisse eingegangen ist. Schwieriger wurde es, als ich dann einen „Massenkurs“ in Shanghai belegt habe, mein Lernerfolg ist dann gegen null gegangen, hauptsächlich auf Grund von oben genannten Gründen, aber auch weil ich viel zu viel Englisch mit den Kollegen gesprochen habe. Zurück in Wien konnte ich leider keinen 1-1 Tutor finden, bzw. wenn ja ist es leider ziemlich teuer. Zwei Kurse an einem Wiener Chinesischinstitut konnten mich auch nicht begeistern. Ich war ehrlichgesagt schon kurz davor, aufzugeben, und nur noch Sprachaustausch mit Chinesen zu machen (was ohnehin sehr empfehlenswert ist).
Aber ich wollte es noch einmal versuchen, und ich muss sagen, der Versuch hat sich ausgezahlt. Es gibt ein „Konfuzius-Institut“ im Alten AKH Wien das bei mir gleich in der Nähe ist, komisch, dass mir in 3 Jahren das nie aufgefallen ist. Es ist teilweise in den gleichen Räumen wie die Sinologie-Universität, man kann also schon ein bisschen „Sinologenluft“ schnuppern. Zunächst habe ich einen B1-Kurs belegt (also für leicht Fortgeschrittene). Dort war der Unterricht in Englisch, genauso wie das, wirklich geniale Lehrbuch „Great Wall Chinese“. Das ist das lustigste Lehrbuch, das ich jemals erlebt habe – bei einer Lektion gibt es einen Dialog, wo eine Schülerin auf geschickte Art versucht, ihren Lehrer aufzureißen. Absurd, aber lustig, so lernt man gerne. Sämtliche Lektionen wurden von Videos, in denen die Dialoge des Buchs nachgespielt wurden, begleitet. Dies hat den Vorteil, dass man den Text auch hören kann. Der Lehrer Lukas hat sich ordentlich ins Zeug gehaut und seine Arbeit wirklich toll gemacht.
Da mein Chinesischniveau aber doch zu hoch war, habe ich den C1-Kurs, der angeboten wurde, getestet. Hier war die Unterrichtssprache nur noch Chinesisch, was den Lerneffekt natürlich enorm erhöht, aber bei den niedrigeren Niveaus vermutlich noch nicht so leicht funktioniert. Die Lehrerin Meng Ling zählt zu den besten, die ich jemals erlebt habe – sie führt interessante Dialoge mit den Schülern, lässt uns oft zu Wort kommen und ist überaus sympathisch. Das Lehrbuch „BoYa Chinese“ ist gänzlich auf Chinesisch außer bei den neuen Vokabeln, wodurch man ziemlich gefordert ist, vorzulernen. Ich bin mir zum ersten Mal in meinem Leben wie ein Streber vorgekommen, der am Vortag ca. 1-2 Stunden lernt. Sonst kann es nämlich unangenehm werden, wenn man aus dem Buch vorlesen muss und viele Zeichen nicht kann. Aber es hat mich enorm herausgefordert und ich habe mich tatsächlich immer sehr auf den Kurs gefreut (ein echter Streber halt
. Die „tongxuemen“ (Klassenkollegen) waren auch cool. Einziger Kritikpunkt: Das Lehrbuch hat zwar sehr gute Übungsbeispiele, aber die Lehrtexte häufig nicht so gut, bisweilen auch komplett absurd – in einer Geschichte bastelt jemand aus einer Schallplatte einen Affen. Naja… Ein kurzes Wort noch zu den Lehrern – sie werden direkt aus China eingeflogen und bleiben ca. 1 Jahr. Ich glaube, dass das eine große Chance für sie ist, Erfahrungen zu sammeln, vermutlich sind sie deswegen sehr motiviert.
Alles in allem gebe ich dem Konfuzius-Institut in Wien meine persönliche Bestnote 1+, und da meine erprobten Lehrer auch Anfängerkurse abhalten sieht es für Chinesisch NeueinsteigerInnen auch gut aus! Habt ihr ein Konfuzius-Institut in Deutschland getestet und wie ist euer Urteil? Oder kennt ihr andere gute Chinesisch-Institute in Wien? Kommentare bitte hier posten….
Achja, hier der Link, falls sich jemand für Kurse interessiert: www.konfuzius-institut.at/de/chinesische-sprache/kurse/



