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| Eine ältere Version der Chinese Times. |
Zu diesem Thema hat es schon zahlreiche Untersuchungen gegeben. Im Frequenzwörterbuch “Xiandai Hanyu pinlü cidian”, das einen Textkorpus von 1,8 Millionen chinesischen Schriftzeichen hat, wurde dies untersucht. Hierbei wurden die Zeichen aus journalistischen, wissenschaftlichen und literarischen Texten zusammenaddiert, um ein repräsentatives Ergebnis zu liefern. Das Ergebnis war, dass dabei insgesamt “nur” 4.574 unterschiedliche Zeichen gezählt wurden.
Heißt das, dass man wirklich lernen muss, alle diese Zeichen zu lesen und evtl. auch zu schreiben? Jein.
Unterschiedliche Analysen zeigen, dass man bereits mit ca. 163 chinesischen Schriftzeichen 50%, ca. 1000 chinesischen Schriftzeichen 90 Prozent und ca. 2.400 Schriftzeichen 99% eines durchschnittlichen Textes in China lesen kann.
Wenn Sie 3.800 Zeichen lesen können, verstehen Sie ca 99.9% eines durchschnittlich in China vorkommenden Textes!
Erst ab ca. 6.000 Zeichen kann man von absolut hohem Uniniveau sprechen. Diese hohe Zahl können allerdings selbst die wenigsten Chinesen lesen.
Und wieviele chinesische Schriftzeichen müssen Sie lernen?
Das hängt davon ab, welches Ziel Sie haben!
Wenn Sie gerne nach China oder Taiwan reisen, und die absoluten Basics verstehen möchten, werden wohl die ca. 163 Zeichen, mit denen 50% der Texte lesbar sind, ausreichen. Erwarten Sie allerdings nicht, dass Sie viel verstehen können! Aber wenn Sie einen Einblick in diese wunderschöne Art, Sprache zu Papier zu bringen bekommen möchten, ist es ein guter Anfang.
Leider reicht es auch nicht, wenn Sie 90% der Schriftzeichen lesen zu können, da Sie trotzdem den Sinn halbwegs komplexer Sätze nicht erfassen können, weil immer noch zu viele Wörter unlesbar bleiben. Denken Sie nur an den folgenden Beispielsatz:
“Er wollte in die (fehlendes Schriftzeichen) gehen, um (fehlendes Schriftzeichen) zu tun”. Trotzdem ist es ein gutes Teilziel — wenn Sie 1.000 chinesische Schriftzeichen lesen können, sind Sie auf dem besten Weg! Wenn Sie also in China wohnen, studieren oder arbeiten möchten, wäre das erstrebenswert.
Übrigens: In China gilt man als Analphabet, wenn man weniger als 1.000 Schriftzeichen lesen kann, diese Latte sollte ja erreichbar sein!
Erst ab ca. 2.400 Zeichen sprechen manche Sprachlehrer von “beschränkter” Lesefähigkeit, dies ist eine Zahl, die Sie meiner Meinung nach anstreben sollten, wenn Sie sich intensiv mit China auseinander setzen möchten.
Bitte lassen Sie sich jetzt nicht von diesen hoch klingenden Zahlen entmutigen! Jeder kann Chinesisch und seine Schriftzeichen lernen.
Sie müssen allerdings lernen, wie die Schriftzeichen aufgebaut sind — dieses System wurde mir leider in keinem Lehrbuch vermittelt, wie ich schon in einem früheren Blog erwähnt habe. Es wird einem meistens nur empfohlen, die Schriftzeichen 50-100 mal zu schreiben, bis sie sich ins “Langzeitgedächtnis” brennen. In meinem nächsten Blog werde ich euch erklären, warum dies nicht mit einem vernünftigen Zeitaufwand funktionieren kann!
In meinen späteren Blogs werde ich Ihnen Ressourcen zeigen, wie Sie dieses System einfach lernen und erfolgreich anwenden können!
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27. August 2010 02:43
Hallo Stefan,
die Frage mit dem Schriftzeichen lernen ist ja wirklich ein Dauerbrenner! In einem meiner Blogs habe ich mit dem Artikel http://fan1yi4.wordpress.com/nutzliches/chinesisch-lernen/ auch schon etwas um dieses Thema gekümmert.
Hier noch ein paar Gedanken zu deinem Artikel:
"Wenn du gerne nach China oder Taiwan reisen, und die absoluten Basics verstehen möchtest, werden wohl die ca. 163 Zeichen, mit denen 50% der Texte lesbar sind, ausreichen. Erwarte allerdings nicht, dass du viel verstehen kannst!"
Das "Problem" an dieser ganzen statistischen Auswertung ist, dass sie auf vollkommen unnatürlichen Annahmen beruhen. Dieses Beispiel funktioniert ja nur, wenn jemand wirklich konsequent die 163 häufigsten Zeichen ohne weiteren Kontext lernen würde. Es ist doch aber meistens so, dass z.B. deutschsprachige Lerner das Zeichen 國 im Zusammenhang mit 德 erlernen, wobei 德 allerdings meines Wissens nicht zu den 163 häufigsten Zeichen zählt und schon hinkt diese Statistik, da ich bei normalem Lernen einfach immer "versehentlich" noch andere Zeichen dazulerne. Und wie viele Lerner beschäftigen sich eigentlich konsequent mit Kurzzeichen und Langzeichen gleichzeitig?
"Trotzdem ist es ein gutes Teilziel — wenn du 1.000 chinesische Schriftzeichen lesen kannst, bist du auf dem besten Weg! Wenn du also in China wohnen, studieren oder arbeiten möchtest, wäre das erstrebenswert."
Von solchen Zahlenspielen halte ich nun absolut gar nichts. Ich habe keine Ahnung, wie viele Schriftzeichen ich noch ohne Computerhilfe erkennen kann, aber es sind mit Sicherheit bei weitem weniger als 1000, vom Schreiben (per Hand) mal ganz zu schweigen. Trotzdem lebe und arbeite ich seit Jahren problemlos in Taiwan. Mein Vergessen der Schriftzeichen hängt gerade damit zusammen, dass ich sie im Alltag praktisch kaum aktiv anwenden muss, aber jeder muss natürlich im Hinblick auf den Aufwand selbst entscheiden, wie wichtig einem eventuell nicht wirklich vernünftig nutzbare Kenntnisse wert sind.
27. August 2010 02:43
"Erst ab ca. 2.400 Zeichen sprechen manche Sprachlehrer von "beschränkter" Lesefähigkeit , dies ist eine Zahl, die du meiner Meinung nach anstreben solltest, wenn du dich intensiv mit China auseinander setzen möchtest."
Siehe oben. Wenn du mit "dich intensiv mit China auseinander setzen" natürlich meinst, chinesische Bücher und Zeitungen ohne elektronische Hilfen zu lesen, dann hast du sicherlich recht, für alles andere (z.B. das Schreiben chinesischer Artikel über Taiwan) gilt diese Aussage aber nicht.
"Jeder, auch du, kann Chinesisch und seine Schriftzeichen lernen."
Die Frage ist, inwiefern jeder überhaupt erstmal Schriftzeichen lernen muss.
Meine Meinung ist ganz klar die, dass sich gutes Chinesisch wenn überhaupt nur zum Teil über die aktive Kenntnis von Schriftzeichen definiert. Man muss natürlich Schriftzeichen lernen, weil sie nun eben mal zur Sprache dazugehören, aber die genaue Anzahl ist meines Erachtens eher nebenrangig, es sei denn, man möchte wirklich alles so umfangreich und intensiv wie möglich lernen ohne dabei wirklich effizient zu sein.
Gruß aus Taiwan,
Dennis